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Ware Natur


Gemeinschaftsausstellung Wolkersdorfer und Rosani im Glashaus Roth vom 18.10. bis 29.11.2024

Diese Ausstellung verbindet die Arbeiten zweier Künstlerinnen, die sich in ihrer Ästhetik und in ihren Aussagen treffen zwischen Banalität und Ignoranz. Umso mehr berühren die Werke, wenn wir beginnen, ihren tiefen Sinn zu erspüren und zu begreifen.

Einzelausstellung Skulpturen der Bildhauerin Nadine Rosani in der Galerie Grabsdorf in München

Unter dem Ausstellungsthema "Ware Natur" ergänzen sich perfekt die Supermarktstillleben der Malerin Antje Wolkersdorfer mit den Arbeiten der Holzbildhauerin Nadine Elda Rosani. Das Thema Ware Natur entwickelt Wolkersdorfer schon eine Weile – und hatte sich für das Glashaus Rosani als ihr Pendant im Raum eingeladen.

Kunstfreunde treffen sich in der Galerie Grabsdorf zur Eröffnung der Einzelausstellung von Nadine Elda Rosani

Thematisch ist die Ausstellung in zwei Bereiche geteilt: im großen Raum des Glashauses wird die Natur als Konsumgut beleuchtet. Im hinteren Raum werden die Arbeiten Vernetzungen und inneren Strukturen gezeigt.

Die Malerin präsentiert aus ihren drei Schaffensthemen: Landschaft und Wiesenstücke, die sie Pleinair, draußen in der Natur zu den entsprechenden Jahreszeiten malt – die Novemberbilder, denen man ansieht, wie sich die Sicht der Malerin nach drinnen verlagert. Sie beschäftigt sich mit Licht und Dunkelheit, mit Strukturen, Linien und komplexen Systemen – sowie die Supermarktstillleben.

Letztere malt Wolkersdorfer eher im Winter. Die Malerin arbeitet mit dem Banalen, der Natur als Konsumprodukt, als Dutzendware – oberflächlich präsentiert, billig – und aus dieser Massendarbietung macht sie wiederum ein Kunstprodukt. Sie zeigt die Lebensmittel bzw. Natur im grellen und künstlichen Licht der Supermarktregale. Sie fängt ein, was unsere Vorstellung von Haltbarmachen und Hygiene mit unserer Nahrung macht, bzw. wie das Sinnliche sich von uns entfernt. Kein Geruch, keine Textur, veränderte Farben. Wolkersdorfer bezeichnet das so, „dass die Natürlichkeit erdrückt wird.“

Ihr Gegenüber, Bildhauerin Rosani, arbeitet konkret figurativ – schafft mit ihren Holzskulpturen Werke zum Begreifen, meist menschliche Skulpturen und Büsten, wie die Arbeit im oberen Raum des Glashauses eindrucksvoll belegt. Im Hauptraum zeigt sie tierische Arbeiten, u.a. das Skulpturenensemble Prêt-à-manger, Schaf in Dosen oder die drei Damen vom Grill - Schafsköpfe aus alten Fahrradsatteln. 

In den Werken Rosanis steckt eine bemerkenswerte Intensität. Ihre Botschaften sind greifbar, im wahrsten Sinne des Wortes, teilweise mit einem Augenzwinkern. Ganz spontan für die Ausstellung hat Rosani noch eine Installation erstellt: ein prall gefüllter Einkaufswagen mit einem großen, grellgelben billig-%-Schild, alles natürlich frisch verpackt in dicken Plastikbeuteln, als weitere Anregung zum Nachdenken.

Während sich die Arbeiten der beiden Künstlerinnen hervorragend ergänzen, treffen sich zwei Arbeiten komplett im Sujet der Sardinendosen. Die Fischdosen (Mahagoni und Pappel-Furnier) von Rosani in der Zusammenarbeit mit der Silberschmiedemeisterin Monika Vesely aus München (Fische aus Metall mit Augen aus Edelsteinen) stammen aus einer gemeinschaftlichen Werkreihe mit dem Ansatz der Umkehrung von Schmuck und Hülle, gleichzeitig mit einer sozialkritischen Aussage zum Überkonsum und dem Umgang mit Ressourcen – was der Titel „der Fischer und seine Frau“ andeutet.
Dahinter hängen Wolkersdorfer’s Bilder mit leeren Sardinendosen, ein Abfallprodukt, das Wolkersdorfer zu einem Wertobjekt erhebt, vor dunklem Hintergrund in diffusem Licht, gülden, wertvoll – geadelt durch das stilistische Zitat holländischer Stillleben-Malerei des 17. Jahrhunderts.